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Werbung oder nicht?

In Zukunft möchte ich hier auf meinem Blog ein paar Beiträge schreiben, die mich beschäftigen. Das werden ganz unterschiedliche Themen sein, die mir in meinem privaten Leben als auch aus meiner Arbeit aus meinem Blog heraus begegnen. Daher habe ich mir für die neue Serie den Namen „Wilde Gedanken“ ausgedacht.

Heute geht es um das Thema Werbung. Ich habe in den letzten Wochen ziemliche viele Blogs und Internetseiten dazu durchforstet und bin mal wieder erschrocken, in welchem „Leerraum“ man da allein gelassen wird.

In diesem Beitrag erfahrt Ihr also nicht, wie Ihr Werbung richtig kennzeichnet oder was Werbung überhaupt ist, sondern einfach nur wie ich über das Thema denken und was mich richtig ankotzt. 

Was bedeutet für mich Werbung?

Werbung bedeutet für mich im klassischen Sinne, dass jemand dafür bezahlt wird, fremde Inhalte zu zeigen. Mir fällt das spontan die Wahlwerbung im September ein. Überall sieht man Plakate und kurze Clips im Fernsehen und Radio. Dieses Bespiel gibt in meinen Augen das typische Bild einer Werbung aus: Bezahlung und keine eigene Meinung. Genauso sieht es auch bei Werbung von Produkten aus, die Spots werden von den Firmen eigenes hergestellt und die Medien geben diese bunten Bildchen in genau dieser Form wieder.

Natürlich kann ich auch nachvollziehen, dass auch es andere Formen von kennzeichnungspflichtiger Werbung gibt, aber dazu komme ich gleich.

Ein Blick in die Zeitschrift

Da ich durch die vielen Beiträge zu dem Thema Werbung sensibilisiert bin, habe ich mir am Wochenende meine Zeitschriften mit einem ganz anderen Blick anschaut.

Eine typische Frauenzeitschrift enthält natürlich Werbung. Alle paar Seiten kann man teilweise ganzseitige Werbung sehen, welche auch als solche gekennzeichnet sind. Schaue ich mir allerdings die Seiten dazwischen an, also die redaktionellen Beiträge, werden mir auch dort unzählige Produkte und Marken empfohlen.

Besonders in den Promi-News lese ich immer wieder, dass Stars angeblich Produkte empfehlen, oftmals sogar von preisgünstigen und uns sehr bekannten Marken aus den Drogerien. Das mag ja durchaus mal vorkommen, aber wenn ich auf einer Seite 6 Personen sehe, die alle mehrere Millionen im Jahr verdienen, kann ich mir einfach nicht vorstellen, dass diese tatsächlich alle die Marken im unteren Preisegment nutzen und natürlich auch empfehlen. Eine Kennzeichnung von Werbung finde ich jedoch bei solchen Beiträgen nicht.

Genauso erstaunlich finde ich dann die tollen Empfehlungen für die aktuelle Mode. In einer bestimmten Zeitschrift, die ich sogar im Abo habe, gibt es sogar eine Serie, wo aus den günstigen Bekleidungsgeschäften gleich mehrere Kleidungsstücke vorgestellt werden. Natürlich auch hier wieder kein Hinweis auf Werbung.

Ein Nachteil für Influencer

Warum das Bespiel aus der Zeitschrift? Weil ich genau hier einen großen Nachteil für die Influencer sehe. Die Influencer werden nämlich zu mächtig und das ist vielen „klassischen“ Medienformen ein Dorn im Auge. Also versucht man jetzt, durch undurchsichtige und unklare Richtlinien ein Riegel davor zu schieben.

Der Werbeetat von Firmen hat sich nämlich in den letzten Jahren ganz massiv zugunsten Bloggern und YouTubern verschoben. Zeitungen, Zeitschriften und das Fernsehen bangen um ihre Einnahmen und dahinter steckt natürlich auch eine riesige Lobby.

Werbung im Social Media Bereich

Ich kann die Medienanstalten verstehen, dass die Kennzeichnung von Werbung im WWW etwas anders laufen muss. Zu sehr vermischen sich hier tatsächliche Empfehlungen und gekaufte Inhalte. Hier muss man natürlich ganz klar trennen, aber es kommt auch auf den Influencer als Person an.

Komme ich zu einem nächsten Beispiel, um meine These zu unterstützen, dass es auf die Person und vielleicht auch auf das Geld ankommt. Ich habe Anfang des Jahres eine Studie in Bezug auf Produktbewertungen gelesen. Dabei ist heraus gekommen, dass ein Produkt von einem Nutzer besser bewertet wurde, wenn er es kostenlos erhalten hat. In der Studie wurde dabei aber im gleichen Zuge erwähnt, dass dies meistens nur unbewusst geschieht. Man ist so glücklich über ein kostenfreies Produkt, so dass man über negative Dinge schneller hinweg sieht oder sie gar nicht erst auffallen.

Ich kann mir also gut vorstellen, dass auch der ein oder andere Blogger seine eigene Meinung ein wenig differenzierter schreibt, wenn er dafür eine Gegenleistung erhält. Wenn dann noch richtig viel Geld in Spiel kommt, wird es natürlich richtig knifflig. Daher finde ich die Forderung nach einer Kennzeichnung in solchen Fällen absolut in Ordnung und nachvollziehbar.

Jetzt wird es aber total GAGA

Kommen wir jetzt aber zu Kennzeichnungspflichten, die ich absolut unnötig oder überzogen halte.

Das Thema PR Samples (ohne weitere finanzielle Zugabe) ist besonders bei kleinen Blogs ziemlich häufig. Man bekommt per Post ein Produkt zugeschickt und das oftmals sogar ohne vorherigen Kontakt. Hinter dieser Mustersendung stecken keine Verpflichtungen oder Forderungen seitens der Marke. Es bleibt in diesem Moment komplett mir überlassen, ob und in welcher Form ich darüber berichte, auch ganz egal ob positiv oder negativ, es ist meine eigene Meinung. Ob das jetzt Werbung ist oder nicht sei dahingestellt, aber mir geht es um etwas ganz anderes. Hier beginnt nämlich die absolute GAGA-Grauzone. Dazu mehrere Beispiele:

Marke X schickt mir ein Produkt kostenlos. Weil ich es so mega finde, kaufe ich es mir nach 6 Monaten nach und es erscheint auf einem Instagram-Foto. Werbung oder nicht? 

Ich selber habe ich ein Produkt in der Werbung gesehen (z.B. im TV) und kaufe es mir danach selbst und stelle es auf meinem Blog vor. Werbung oder nicht? 

Ich kaufe mir ein Produkt, weil es mich im Geschäft anspricht. Es gefällt mir so gut, dass ich es auf meinem Blog vorstelle und anderen Lesern empfehle. Werbung oder nicht?

Zu dem letzten Beispiel gibt es die Empfehlung, solche Beiträge als Werbung zu kennzeichnen. Ich schreibe also über ein Produkt, welches ich mir selber gekauft habe und ich dafür keine Gegenleistung erhalte und soll es als Werbung kennzeichnen, weil es durch die positive Meinung einen werblichen Charakter hat. Jetzt mal im Ernst, dann muss ich ja in Zukunft 99% meiner Beiträge als Werbung kennzeichnen. Das ist doch für die Leser mehr als irreführend und man kann die „bezahlte“ Werbung dann nicht mehr erkennen.

Ich kaufe mir ein Produkt, weil es mich im Geschäft anspricht. Weil es mir so gar nicht gefällt, schreibe ich dazu einen Beitrag auf meinem Blog. Werbung oder nicht?

In diesem Fall ist anscheinend keine Kennzeichnung erforderlich. Bedeutet also:

  • positive Meinung > Werbung
  • negative Meinung > keine Werbung

Dazu kommt jetzt noch ein weitere Aussage, die ich auf Gruenderszene.de entdeckt habe:

Rein private (werbliche) Empfehlungen an Freunde (auf dem privaten Blog) sind nicht kennzeichnungspflichtig

Ach Du je, was ist denn jetzt bitte schön ein privater Blog? Wer entscheidet das und woran kann ich das festmachen? Ich kann Euch die Antwort darauf leider nicht geben (wahrscheinlich kann es niemand).

Ein gefundenes Fressen

Wisst Ihr, was mich an diesem ganzen Theater am meisten ankotzt. Es geht hier gar nicht darum, dass die Leser (oder im allgemeinen der Verbraucher) vor Werbung bzw. Schleichwerbung geschützt werden sollen. Wäre das der Fall, würde es klar definierte Vorgaben und Richtlinien geben.

Nein es geht darum, wieder ein rechtliches Vakuum zu erschaffen. Die Influencer mal wieder mit irren und nicht verständlichen Aussagen von offiziellen Stellen, Rechtsanwälten und anderen Leuten zu verunsichern und klein zu halten.

Die Abmahnanwälte haben sich auf diese neue Einnahmequelle wie die Geier gestürzt. Was aber kein Wunder ist, denn wie ein edles Stück Filet wird ihnen dieses Thema regelrecht auf einem goldenen Tablett serviert.

Wilde Gedanken

Welche Schlüsse ziehe ich persönlich aus diesem Heckmeck? Ich schreibe zwei Blogs. Es ist für mich ein Hobby, gehe also hauptberuflich einer normalen Beschäftigung nach. Privater Blog, ja oder nein?  Einmal ja, einmal nein. Keine Ahnung. Ich verdiene mit meinen Blogs Geld, den Stundenlohn dürfte ich mir da allerdings nicht runterrechnen, dafür würde nämlich niemand arbeiten gehen. Aber egal, ich kennzeichne Werbung, wenn es für mich Werbung ist.

In der Vergangenheit habe ich es so gemacht, dass ich bezahlte Werbung auch so gekennzeichnet habe, ohne Wenn und Aber. Auch bei Produktmustern habe ich darauf hingewiesen, allerdings immer am Ende des Beitrags, was ich auch eigentlich als ausreichend empfinde.

Um der rechtlichen Grauzone zu entkommen, bin ich tatsächlich am überlegen, alle meine Beiträge pauschal als Werbung zu kennzeichnen. Was für ein Irrsinn! 

Wenn ich nicht blogge, bin ich auch ein normaler Kunde/Verbraucher und kann ganz gut für mich entscheiden, wann ich etwas als Werbung empfinde und wann nicht. Und mir persönlich reicht es auch aus, wenn die Kennzeichnung am Ende erscheint, in einer Ecke steht oder im Text der werbliche Charakter erwähnt wird, so wie es ja in Zeitschriften auch getan wird.

Auf jeden Fall muss hier eine klare, faire und gleichberechtigte Regelung geschaffen werden und das ganz schnell.

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Kategorie: Lifestyle

von

Ich bin Nina, 37 Jahre jung, Mutter einer 14-jährigen Tochter, Bankbetriebswirtin und leidenschaftliche Bloggerin

12 Kommentare

  1. Ines sagt

    Hallo Nina,
    ich bin bei dem ganzen Wirrwar an Vorgaben und Meinungen auch schon verzweifelt.
    Für mich habe ich dann entschieden, dass ich nur über ein Produkt schreiben kann, wenn ich es selbst ausprobiert habe, das gehört einfach zur Meinungsbildung dazu. Ob ich mir das selbst kaufe, von der Oma geschenkt erhalte oder es mir zum Testzweck zur Verfügung gestellt wird, ist dabei unerheblich. Ich muss es benutzen um eine eigene Meinung dazu zu haben und genau diese darf ich auch öffentlich kundtun und teilen. Sofern mir eine Firma nicht nur eine Flasche Haarwäsche zusendet, sondern 3 oder 4 (oder zB. ein Elektrogerät für einen Langzeittest), ich also über das reine Ausprobieren einen Mehrwert habe, kennzeichne ich das in meinen Berichten. Wird darüber hinaus ein Bericht explizid verlangt (Gegenleistung) ist es für mich Werbung – egal ob positiv oder negativ. Es kann auch durchaus sein, dass ich Produkte nachkaufe weil sie so toll sind, dann gibt es ggfs ergänzende Berichte nach einigen Wochen/Monaten. = eigene Meinung/keine Werbung.

    lg, Ines

    PS: Mein Blog ist und bleibt privat, solange ich keine Vergütung für die Beiträge erhalte.

    • Hallo liebe Ines, vielen Dank für Deinen konstruktiven Beitrag.
      So wie Du es beschreibst, klingt es für mich auch absolut nachvollziehbar. Ich glaube, jeder muss das wirklich für sich entscheiden. Ein gewisses „Risiko“ wird man wahrscheinlich leider immer haben.
      Eigene Meinung = keine Werbung gefällt mir gut 😀

  2. Hallo, ich mache es kurz und knapp. Ich Kennzeichen alles mit Anzeige wofür ich Geld bekommen habe. Was mir kostenlos zugeschickt wird, Kennzeichen ich als PR Sample. Wobei ich gelesen habe, ich müsste es als Anzeige /Werbung Kennzeichen, da es sonst Schleichwerbung ist. Ein Produkt das ich selbst kaufe, kennzeichne ich nicht. Auch schreibe ich es nicht im ersten Satz auf dem Blog, sondern habe eine Kategorie. Somit ist es in meinen Augen an erster Stelle. Jetzt ist es doch länger geworden. Lg Tina-Maria

  3. Hey Nina,

    dieser Irrsinn und die Grauzonen machen mich auch verrückt. Daher bin ich vor einiger Zeit dazu übergegangen, alle Beiträge als „Anzeige“ zu kennzeichnen, egal ob ein Honorar gezahlt wurde oder nicht.

    Lieben Gruß aus Lissabon,
    Danny

    • Hey Danny,
      ja bei Dir habe ich es auch schon entdeckt. Finde die Lösung vollkommen Okay, auch wenn es eigentlich super gaga ist.
      Ich hoffe so sehr, dass es da bald eindeutige Regularien gibt.
      LG Nina

  4. Auch ich finde dieses Theater echt nervig und habe im Geiste schon einen Blogartikel darüber verfasst. Ich schreibe seit Kurzem über jeden meiner Bericht Anzeige, obwohl er nicht bezahlt wurde und egal ob ich das Produkt lobe oder kritisiere. Macht in meinen Augen zwar keinen Sinn eine Werbekennzeichnung bei einem negativen Bericht vorzunehmen, aber wenn das vom Gesetzgeber so gewünscht wird, dann soll es so sein und ich bin in jedem Fall i. S. Abmahnung auf der sicheren Seite.

    LG Brigitte

    • Liebe Brigitte,
      das ist doch wirklich irre oder nicht. Man gibt einen Beitrag als Werbung aus, obwohl er eigentlich gar keiner ist. Absolut Wahnsinn dieser rechtsleere Raum, der da entstanden ist. Ärgert mich sehr, wie es momentan läuft 🙁

      LG
      Nina

  5. Hallo liebe Nina,

    mir geht es ebenso wie Dir.

    Mich ärgert es sehr, daß man als Blogger/Influencer hier auch so im Stich gelassen wird. Das ist ja nichts Halbes und nix Ganzes.

    Mein(e) Blog(s) sind nun mal mein Hobby. Klar ist es zwischendurch schön, wenn man den ein oder anderen Euro dafür bekommt, aber das ist mehr als selten.

    Was ich aber noch schlimmer finde, sind die anderen Blogger, die nach Fehlern bei Kollgen suchen und die dann hinhängen. Oder die überall Werbung sehen, wo wirklich keine ist.

    Ich für meinen Teil sehe es noch nicht ein, daß ich als Werbung kennzeichne, was ich mir selbst gekauf habe und empfehle. Durch Rechnungen ist das ja belegbar. Also hebe ich mir diese einfach auf.

    Und inzwischen schreibe ich sogar explizit darunter, daß ich eben nichts dafür erhalten habe.

    Vielleicht gibts ja doch irgendwann eindeutige Regeln.

    Liebe Grüße
    Sandra

    • Liebe Sandra,

      oh ja, da hast Du aber so was von Recht.
      Da bekommt man dann von anderen Bloggern Nachrichten, ob man denn nicht die Kennzeichnung vergessen hätte etc. Manche sind da schon richtig paranoid glaube ich.

      So wie Du es machst, finde ich gut! Da kann auch nichts falsch verstanden werden….. (zumindest meiner Meinung nach 🙂 )

  6. Kann dich sehr gut verstehen. Ich hab auch schon darüber nachgedacht über alles Anzeige zu schreiben… Echt nervig dieses Thema. Als ob die Welt keine wichtigeren Sorgen hat… Lg Claudia

    • Hallo Claudia, ja genau. Total unnötig diese Thematik. Einfach klare Strukturen und Regeln schaffen, die auch jeder versteht und hätte man eine saubere Lösung.

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